Kleine Chargen, großer Unterschied: So rösten wir in Essen Rüttenscheid

Kleine Chargen, großer Unterschied: So rösten wir in Essen Rüttenscheid

Es gibt Röstereien, die auf Effizienz optimiert sind. Größere Chargen, kürzere Zyklen, automatisierte Verpackung. Es gibt gute Gründe, so zu arbeiten – aber es sind nicht unsere.

In unserer Rösterei in Essen Rüttenscheid läuft vieles bewusst anders. Nicht weil wir es komplizierter machen wollen, sondern weil wir glauben, dass die Qualität eines Kaffees in jedem einzelnen Schritt entsteht – oder verloren geht.

Der Probat P12: Unsere Röstmaschine

Wir rösten auf einem Probat P12 Trommelröster. Probat ist ein deutsches Traditionsunternehmen aus Emmerich am Rhein und einer der weltweit führenden Hersteller von Röstanlagen. Der P12 ist für Chargen von maximal 12 Kilogramm ausgelegt – kein Industrieröster, sondern ein Werkzeug für Präzisionsarbeit.

Die Trommelröstung unterscheidet sich grundlegend von industrieller Heißluftröstung. Während Industriekaffee oft in 90 Sekunden bei extrem hohen Temperaturen geröstet wird, nehmen wir uns deutlich mehr Zeit. Unsere Espressoröstungen laufen 12 bis 14 Minuten, Filterkaffeeröstungen 10 bis 12 Minuten. Diese langsame, schonende Röstung erlaubt den Bohnen, ihre Aromen gleichmäßig zu entwickeln – ohne verbrannte Oberfläche bei rohem Kern, wie es bei Schnellröstungen häufig vorkommt.

Individuelle Röstprofile: Jeder Kaffee bekommt sein eigenes Rezept

Kein Kaffee ist wie der andere. Ein Nombeko Espresso aus Leguruki am Mount Meru bringt andere Voraussetzungen mit als ein Kirua Vunjo aus der Kilimanjaro-Region. Unterschiedliche Anbauhöhen, Varietäten, Aufbereitungsmethoden und Erntezeiten bedeuten unterschiedliche Bohnendichte, Feuchtigkeitsgehalt und Zuckerstruktur. All das beeinflusst, wie ein Kaffee auf Hitze reagiert.

Deshalb rösten wir nicht nach Schema. Für jeden Kaffee entwickeln wir ein individuelles Röstprofil – ein präzises Rezept aus Temperaturverlauf, Zeit und vor allem der sogenannten Rate of Rise (ROR): der Geschwindigkeit, mit der die Temperatur während der Röstung zunimmt. Die ROR ist der entscheidende Parameter. Sie bestimmt, ob die Maillard-Reaktion – die chemische Reaktion, die für die Bräunung und Aromabildung verantwortlich ist – gleichmäßig und kontrolliert abläuft oder unkontrolliert durchschießt.

Unser Ziel: die terroir-spezifischen Geschmacksnoten jedes Kaffees bestmöglich zur Geltung bringen. Beim Nombeko bedeutet das, die schokoladigen Aromen und Pflaumennoten herauszuarbeiten, ohne die natürliche Süße zu verlieren. Beim Kirua Vunjo geht es darum, die beerigen Noten von Himbeere und Johannisbeere zu betonen und den leichten Körper zu erhalten. Beim Mount Meru Espresso rösten wir etwas dunkler, um die kräftigen Marzipan- und Schokoladenaromen zu unterstreichen.

Light bis Full City: Warum wir hell rösten

Unsere Röstgrade bewegen sich zwischen Light und Full City – also im Bereich heller bis mittlerer Röstungen. Wir orientieren uns dabei an der skandinavischen Röstphilosophie, die darauf setzt, die sortentypischen Aromen des Rohkaffees zu bewahren, statt sie mit dunklen Röstnoten zu überdecken.

Der Unterschied lässt sich einfach erklären: Je dunkler ein Kaffee geröstet wird, desto mehr schmeckt er nach der Röstung selbst – nach Rauch, Asche, Bitterkeit. Je heller die Röstung, desto mehr schmeckt der Kaffee nach seinem Ursprung – nach dem Terroir, der Varietät, der Aufbereitung. Wir wollen, dass du den Mount Meru in der Tasse schmeckst, nicht den Röster.

Das bedeutet nicht, dass unsere Kaffees sauer oder wässrig schmecken – ein häufiges Missverständnis bei hellen Röstungen. Durch die präzise Steuerung der Röstprofile erreichen wir einen ausgewogenen Körper mit natürlicher Süße und angenehmer Milde.

Wöchentliche Cuppings: Qualitätskontrolle durch Verkostung

Bevor ein Kaffee in den Versand geht, wird er verkostet. In wöchentlichen Cuppings bewerten wir jede Röstung nach dem Protokoll der Specialty Coffee Association (SCA). Dabei achten wir auf Aroma, Geschmack, Nachgeschmack, Säure, Körper, Balance und Gleichmäßigkeit.

Alle unsere Rohkaffees erreichen einen SCA-Score von über 80 Punkten – die Eintrittsschwelle für Specialty Coffee. Damit gehören sie zu den oberen fünf Prozent der weltweiten Kaffeeproduktion. Die Cuppings sind keine Formalität, sondern unser wichtigstes Werkzeug: Sie zeigen uns, ob ein Röstprofil funktioniert oder nachjustiert werden muss. Jede Röstung wird digital aufgezeichnet, sodass wir bei der nächsten Charge exakt reproduzieren können, was in der Verkostung überzeugt hat.

Von Hand verpackt: Kein Schritt ist automatisiert

Nach dem Rösten kühlen die Bohnen im Kühlsieb des P12 ab. Dann werden sie von Hand in unsere Verpackungen abgefüllt – jede einzelne Tüte. Kein Abfüllautomat, keine Fließbandproduktion. Wir wiegen jede Packung einzeln, verschließen sie per Hand und versenden dreimal pro Woche.

Warum? Weil wir an drei Tagen in der Woche rösten und nur das verpacken, was in dieser Woche bestellt wurde oder in den Cafés gebraucht wird. So liegt bei uns kein Kaffee wochenlang im Lager. Was du bestellst, wurde wenige Tage vorher geröstet.

Unsere Verpackungen sind vollständig recyclebar. Kein Aluminium, kein Verbundmaterial – einfach im Gelben Sack entsorgen.

Rösterei und Café: Alles unter einem Dach

Unser Kijamii Café in Essen Rüttenscheid liegt nur wenige Schritte von der Rösterei entfernt. Was wir rösten, schenken wir dort direkt aus. Das ist nicht nur praktisch – es ist auch unsere tägliche Qualitätskontrolle. Wenn ein Kaffee im Café nicht so schmeckt wie im Cupping, wissen wir sofort, dass etwas nachjustiert werden muss.

Gleichzeitig bieten wir über unsere Kaffeeschule Bohnenkartell SCA-zertifizierte Kurse an – von der Einführung in Specialty Coffee bis zum Barista Professional. Wer wissen will, was hinter gutem Kaffee steckt, kann bei uns direkt an der Quelle lernen.

Was uns unterscheidet

Es gibt viele gute Röstereien in Deutschland. Was Kijamii unterscheidet, ist die Kombination: Wir kontrollieren die gesamte Wertschöpfung – vom Rohkaffeeeinkauf direkt bei unseren Kooperativen in Tansania über die Röstung bis zum Ausschank im eigenen Café. Kein Zwischenhändler kauft für uns ein, kein externer Röster röstet für uns, keine Maschine verpackt für uns.

Jeder Schritt ist bewusst, jeder Schritt ist von Hand, jeder Schritt ist nachvollziehbar. Das ist aufwendiger als der industrielle Weg. Aber es ist der Grund, warum der Kaffee in deiner Tasse so schmeckt, wie er schmeckt.


Du willst sehen, wie wir rösten? Komm in unserer Rösterei in Essen vorbei oder probiere unsere Kaffees direkt im Shop.

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