Plantagenbesuch September 2018

Ein transparenter Bericht

Zwei Wochen haben wir auf den Kaffeeplantagen am Fuße des Mount Meru verbracht und das schon zum zweiten mal in diesem Jahr. Nachdem der erste Besuch im Februar der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Farmer gewidmet war, haben wir nun im September gemeinsam mit der Nombeko Kooperative an diesen Herausforderungen gearbeitet und unsere Unterstützung eingebracht.

Im Fokus stand natürlich der Bau des Brunnens. Durch Eure Vorbestellung des Kaffees und die direkte finanzielle Unterstützung durch zahlreiche Menschen konnten wir gemeinsam eine Summe von 15.242 € innerhalb des Crowdfundings erreichen. Dafür möchten wir euch wirklich noch einmal unseren Dank aussprechen, das war großartig! Abzüglich der Kosten für den Geldtransfer und die 3% Servicegebühr für den Service von Startnext, hatten wir somit 14.149,63 € als Unterstützung für unser Projekt zur Verfügung. Als Verwendungszweck haben wir zum einen die Vorfinanzierung von 5000kg Rohkaffee, als auch den Bau des Brunnens gemeinsam vereinbart.

Der Empfang

Angekommen am Kilimanjaro International Airport standen etwa 25 Mitglieder der Nombeko Kooperative am Ausgang und haben uns, geschmückt mit zwei für uns angefertigten Blumengirlanden, herzlich in Empfang genommen. Nach dem langen Flug konnten wir es kaum glauben, dass die Frauen und Männer extra einen kleinen Bus gemietet hatten, um uns zu empfangen. Gefolgt von einer holperigen Fahrt ging es dann in das Haus des Kooperativengründers Gabriel Mafie. Ein ausgiebiges Buffet mit lokalen Spezialitäten sowie einige Gespräche ließen uns später müde werden und so beendet wir den Tag mit Einbruch der Dunkelheit.

Das Kaffeefest

Noch in Deutschland wurde uns angekündigt, dass es ein großes Fest mit lokalen Tänzern geben würde, um sowohl unsere Ankunft, aber vor allem auch die gemeinsame Zusammenarbeit zu feiern. Als wir Mittags nach einem platten Reifen, bedingt durch die miserablen Wege, verspätet auf das Gelände der Kooperative gefahren sind, konnten wir unseren Augen kaum glauben. Lächelnde Gesichter, bunte Farben, ein Festzelt und unzählbar viele geschmückte Menschen. Es war ein Fest einer Größe, die wir uns nicht hätten ausmalen können. Die „local dancers“ waren tatsächlich ein großer, traditioneller Kirchenchor des Stammes der Meru. Es waren mit Abstand die schönsten Gesänge, die wir bisher in Tansania gehört haben. Nach einigen Reden und Danksagungen wurde zu unserem Bedauern extra eine Ziege für uns geschlachtet und traditionell zubereitet. Trotz allem Respekt der Kultur haben wir dann zu verstehen geben müssen, dass wir als Vegetarier leider Ablehnen möchten.

Der Plan

Für uns stand einiges bevor. Vom Brunnen über die Optimierung des Aufbereitungsprozesses, das Separieren von Microlots, die Schulung der Verkostung, die Verlegung von Starkstrom und die Einschulung in eine elektronische Buchhaltung.

Das Survey

Um diesen straffen Zeitplan einhalten zu können, haben wir am 21.09 gemeinsam mit Michael von WED Water auf die Wassersuche begeben. Auf einer Fläche von einem Hektar wurde er dann auch schnell fündig und hat durch das Pendel zwei mögliche unterirdische Wasserquellen gefunden. Da es unser Hauptziel ist, den Farmern nicht die Entscheidung abzunehmen und sie aktiv mit einzubinden, haben wir sie abstimmen lassen und sind alle zu dem Entschluss gekommen, an einer der Stellen in der folgenden Woche mit der Bohrung zu starten.

Die Microlots

Microlots. Was sind das überhaupt? Insgesamt erstreckt sich die Fläche der gesamten Plantagen über unterschiedliche Anbauhöhen. Mircrolots sind genau die einzelnen Plantagen, die sich teilweise durch ihre unterschiedliche Hanglage oder leichte Bodenunterschiede so in Ihrem Aroma unterscheiden, dass es sich lohnt, diese als besondere Kaffees zu separieren. Zudem hat man so die Möglichkeit, zu ermitteln, welche Farmer durch ihre Kenntnisse die besseren Bohnen anbauen, bevor sie in der Washingstation mit den anderen gemischt werden.

Ein Rückblick

Etwa zwei Jahre lang beschäftigt uns nun der Kaffee. Angefangen hat alles mit der Idee, den Farmerinnen und Farmern in Tansania eine Alternative zum konventionellen Anbau zu bieten. Mit Hilfe des organischen Anbaus und der besonderen Qualität des Kaffees, wollten wir ein nachhaltiges, ökologisch und faires Projekt aufziehen. Dabei war es uns von Anfang an klar, dass diese Aufgabe eine Herausforderung wird und es vor allem von großer Wichtigkeit ist, die Menschen mit in die Entscheidungen einzubeziehen und ihnen keine Vorschreibungen zu machen. Die anschließende Zusammenarbeit mit der Nombeko Kooperative hat dann darauf beruht, dass ihr Gründer Gabriel Mafie mir (Dominik) versicherte, dass sie bei Ihrem Anbau sehr großen Wert auf Ihre Umwelt legen und dabei niemals chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen. Anfangs noch skeptisch habe ich dann im August 2017 einzelne Plantagen besichtigt und konnte mir ein eigenes Bild über die Kaffees und vor allem den Anbau machen. Die Mischkulturen, der Geruch nach frischen Kuhmist und vor allem das Vertrauen in Gabriel haben dann die Entscheidung gebracht. Die Zusammenarbeit mit der Nombeko Kooperative war nach ausgiebigen Cuppings (Kaffee-Verkostungen) vereinbart

Der aktuelle Stand – September 2018

Die Zusammenarbeit mit der Nombeko Kooperative sollte auf einer Ebene stattfinden, auf der die einzelnen Farmerinnen und Farmer die Möglichkeit haben, selbst über ihre Arbeit zu entscheiden. Dabei haben wir versucht, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und wir haben gemeinsame Ziele festgesteckt, die es von den jeweiligen Personen zu erfüllen galt. Die Aufgabe von uns war es, vor allem die Wasserversorgung sowie die Vorbereitungen auf die Einführung eines EDV Programms zu erledigen. Ebenso haben wir uns um Schulungsmaterial für die Qualitätsverbesserung im Kaffeeanbau gekümmert. Die Aufgabe der Kooperative hingegen teilte sich in zwei Bereiche. Zum einen die Schulungen der einzelnen Pflückerinnen zum Pflücken der ausschließlich reifen und tiefroten Kirschen, als auch das Separieren der einzelnen Microlots. Dieses mal mussten wir leider feststellen, dass diese Aufgaben nicht effektiv umgesetzt wurden und viele der Kirschen unreif gepflückt wurden. Hinzu kam, dass wir in den vergangenen Monaten immer wieder gefragt haben, welche Herausforderungen die Farmer in Bezug auf den Anbau haben. Es wurde uns immer wieder beteuert, dass sie ausschließlich ökologisch anbauen und keine Pflanzenschutzmittel einsetzen würden. Auf den Plantagen haben wir dann jedoch leider erfahren müssen, dass genau diese Mittel eingesetzt wurden. Inwieweit dies zustande gekommen ist, können wir bis heute nicht genau beurteilen. Uns wurde mitgeteilt, dass der Gründer Gabriel Mafie uns wohl nicht die Wahrheit diesbezüglich gesagt hätte. Ob das wirklich stimmt, ist uns jedoch unklar und wir konnten vor Ort auch nichts weiter ausfindig machen, da innerhalb der Kooperative einzelne Mitglieder Unstimmigkeiten diesbezüglich hatten.

Wie es weiter geht

Die Unterstützung, die wir zu Leisten versucht haben, hat leider nicht in dem Maße funktioniert, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Das haben die Kooperativengründer sowie einzelne Farmer nach einem fast vierstündigen Meeting selbst eingesehen. Da wir nicht auf dieses Misstrauen aufbauen können und ihr auf ein ökologisches Produkt setzt, haben wir uns vor Ort dagegen entschieden, den Brunnen zu bauen. Es ist und bleibt schlicht unser Ideal, eine bedingungslose Transparenz zu ermöglichen und gleichzeitig für einen ökologischen und fairen Anbau zu stehen. Um uns und vor allem unseren Kunden und Unterstützern treu zu bleiben, möchten wir mit diesem schwierigen Thema so offen umgehen, wie wir es mit guten Neuigkeiten tun und allen die Chance geben darüber informiert zu sein. 

Wir haben die Zusammenarbeit mit der Nombeko Kooperative daraufhin in gegenseitigem Einverständnis beendet. Die Möglichkeiten des organischen Kaffeeanbaus und die dazu nötigen Seminare haben wir den Farmern jedoch mit auf den Weg gegeben und es erstmal in deren Hand gelegt, sich selbst für diese andere Arbeit zu motivieren.

Was passiert mit dem vorbestellten Kaffee und den Spenden?

Wir möchten jedem Einzelnen die Chance geben, darüber selbst zu entscheiden. Wir haben natürlich die restliche Zeit um den Mount Meru genutzt und sind auf eine seit zehn Jahren organisch zertifizierte Kooperative namens Aranga aufmerksam geworden. Dort angekommen lernten wir Gidion kennen, einen ca. 50 jährigen, ehemaligen Biologen, der gemeinsam mit der Kooperative als ein Vorzeigeprojekt im organischen Kaffeeanbau steht. Die Qualität der grünen Bohnen ist überragend. Komplett ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, dafür mit dem Wissen über die einzelnen Symbiosen des erzeugten Ökosystems der Plantagen, kümmern sich die Farmer der Aranga Kooperative auf einer westlicheren Lage des Mount Meru um den qualitativ noch hochwertigeren Kaffee. Bei einem blinden Cupping (Kaffeeverkostung) waren wir direkt von den aussagekräftigen Aromen überzeugt. Diese Arbeit möchten wir unterstützen und Gidion und seinen befreundeten Farmern in Zukunft eine erstklassige Hochlandarabica abkaufen. Da wir durch unsere vorherigen Erfahrungen sehr  enttäuscht wurden, möchten wir zunächst einmal die Zusammenarbeit mit der Aranga Kooperative auf eine reine Handelsbeziehung bechränken, diese jedoch in Zukunft nach erfolgreicher Zusammenarbeit ausbauen und auch ihnen eine Unterstützung bieten.

Unser Vorschlag – Deine Entscheidung: Gemeinsam für einen Wandel im Kaffeeanbau

Der Gewinn der einzelnen vorbestellten Kaffeepackungen sowie die direkten finanziellen Spenden waren eigentlich für den Brunnen in dem Dorf Leguruki der Nombeko Kooperative bestimmt. Wir haben trotz all dieser Vorkommnisse weiterhin eine gute Beziehung zu den Farmern und auch eine neu gestartete Zusammenarbeit mit der Aranga Kooperative, weil wir einfach stark davon überzeugt sind, dass der organische Anbau trotz seiner Schwierigkeiten für die Menschen aus gesundheitlichen, ethischen sowie finanziellen Aspekten die bessere Alternative ist. Konventioneller Anbau lässt sich auf Dauer in dieser Region unserer Meinung nach nicht als Alternative ansehen, da dies vor allem zu gesundheitlichen Beschwerden der Frauen und Männer führt, die auf den Feldern mit bedenklichen Pflanzenschutzmitteln arbeiten. Aus diesem Grund würden wir gerne mit unserer bedingungslosen Transparenz weiter machen und eine Alternative bieten. Für die Umsetzung bedarf es jedoch ein Konzept, was durch vor Ort angebotene Schulungen an die Menschen weitergegeben wird.

Bis dahin

Dominik und Judith